Blick vom KohlbornsteinDer Kohlbornstein liegt etwas abseits der touristischen Hauptwanderwege der Sächsischen Schweiz. Obwohl der Malerweg in unmittelbarer Nähe vorbeiführt, gibt es keinen markierten Weg zum Gipfel aber ein Hinweisschild. Wegen der Nähe des viel beworbenen Malerwegs ist man zwar nicht ganz allein unterwegs, auf dem vorgeschlagenen Aufstieg trafen wir aber bis unterhalb des Gipfels kaum Mitwanderer.

Ausgangspunkt des Aufstiegs für uns war die Bushaltestelle in Krippen gegenüber der ehemaligen Schinkenmühle, die leider einen ebenso heruntergekommenen Eindruck hinterlässt wie die nicht weit entfernte Rölligmühle in Kleingießhübel, die von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1970 ununterbrochen im Besitz der Familie Röllig war, seit 1990 aber dem Verfall preisgegeben ist. An der ehemaligen Schinkenmühle führt eine Brücke über den Krippenbach. Hier beginnt unser gleich recht steiler Aufstieg auf dem gelb markierten Wanderweg (Malerweg). Der Waldweg wird bald etwas flacher und nach etwa 500 Metern weist die Markierung im spitzen Winkel nach rechts. Wir gehen aber leicht nach links (Wegweiser Kinderdorf ERNA beachten) und folgen zunächst ein kurzes Stück dem Mittelhangweg. Nicht verpassen dürfen wir den steilen Aufstieg durch das Klüftel (unmarkiert). Der Weg, der teilweise auch als Reitweg ausgewiesen ist, bringt uns dem Gipfel des  Kohlbornsteins entgegen. Unterhalb des Gipfels sehen wir ein Hinweisschild für den Aufstieg. Ein Rastplatz lädt zum Verschnaufen ein.

kohlb1.jpg kohlb2.jpg kohlb3.jpg
Zum Gipfel des Kohlbornsteins führt uns eine nicht ganz anspruchslose Steiganlage über Holz- und Steinstufen. Unterwegs erinnert eine Gedenktafel, die allerdings so stark verwittert ist, dass es einer Erläuterung bedarf, an die Ersteigung des Kohlbornsteins durch König Albert und Königin Carola von Sachsen am 21.08.1886. Wir erklimmen den Kohlbornstein auf den Tag genau 124 Jahre später. Auf dem Gipfelplateau führt uns ein schmaler Weg bis zur nordöstlichen Felskanzel, die einen sehr schönen Rundblick auf die linkselbischen Tafelberge und ins Schrammsteinmassiv bietet.

Wer den Aufstieg zum Kohlbornstein in eine Rundwanderung einbinden möchte, erhält auf der Website von www.zwillingsstiege.de eine Anregung dafür.

Hörschel - an der WerraEine lange Tour liegt hinter mir. Insgesamt bin ich über 180 Kilometer an 7 Tagen gelaufen. Eine solch lange Strecke mit vollem Gepäck auf dem Rücken hatte ich noch nie zuvor bewältig. Es gab Licht und Schatten. Wo gibt es das auf einer Trekking-Tour nicht? Insgesamt behalte ich aber einen positiven Eindruck von den letzten Tagen.

Licht:

  • Die erste Hälfte des Rennsteigs führt durch eine schöne Mittelgebirgslandschaft mit Fernsichten auf meist guten Wanderwegen. Man genießt hier Natur pur.
  • Die Leute in den Unterkünften haben mich alle freundlich empfangen. Wanderer sind hier willkommen. Unterwegs trifft man immer wieder Leute, die auch auf der Runst sind oder einfach nur ein Stück wandern und sich gern mal auf ein kurzes “Schwätzchen” einlassen.
  • Nur in der Nähe größerer Ortschaften traf ich auf eine größere Anzahl anderer Wanderer. Sonst genießt man fast immer absolute Ruhe.

Schatten:

  • Der Rennsteig ist in Franken fast durchgängig asphaltiert. Da man offensichtlich erkannt hat, dass dies kein Wanderer wünscht, gibt es “Ausweichrouten”, die allerdings länger sind als der Originalrennsteig. Meine letzten Tagesetappen beinhalteten die längsten Teilstrecken. Deshalb verzichtete ich auf die Umgehungsrouten.
  • Einige Mountainbiker fuhren rücksichtlos (Stürze inklusive), auch auf Teilstücken, die nicht für Radfahrer freigegeben sind. Ausdrücklich betone ich, dass es sich um die Minderheit der Radfahrer handelte.
  • Pferde und deren Hinterlassenschaften auf dem Rennsteig, der nicht als Reitweg ausgewiesen ist.
  • Die Auswahl der Mehrzahl meiner Quartiere durch einen Reiseveranstalter, der explizit Rennsteigwanderungen anbietet.

Allgemeine Einschätzung und Kommentar:
Die Schwierigkeit einer Runst liegen nicht im zu bewältigenden Gelände sondern in der Länge der Strecke. Alle Steigungen und Abstiege sind moderat - auch der Aufstieg zum Inselsberg. Es gibt keinen technisch schwierigen Abschnitt auf dem Rennsteig. Leichtbergschuhe sind völlig ausreichend. Gefragt sind vor allem Ausdauer und Durchhaltewillen.

Bekanntlich regnet es in Mitteleuropa manchmal im Sommer. So hatte ich auch zwei Regentage auf meiner Tour und wurde ordentlich eingeweicht. Wichtig ist deshalb eine gute Ausrüstung (Regensachen, wasserdichte Schuhe etc.).

Um die Runst richtig genießen zu können, muss man sein Quartier ordentlich auswählen, wenn man nicht in einer der vielen  Schutzhütten nächtigen will. Ich wollte mir aber ein Bett und eine Dusche am Abend gönnen. Da ich die Gegebenheiten vor Ort nicht kannte, verließ ich mich bei der Quartierwahl - und zum Glück nur dabei - auf einen Spezialreiseveranstalter aus Dresden, der eine Tour als “Rennsteig sportiv” auswies. Die Auswahl der Unterkunft war in 4 von 6 Fälle nicht günstig, in zwei Orten schlicht und einfach eine Zumutung (die Lage, nicht die Qualität). Die Streckeneinteilung, am Anfang kurze Wege und die längsten Etappen zum Schluss, spricht nicht von Professionalität.

Hier die beiden Negativfälle:
In Ruhla lag meine Unterkunft am Gegenhang zum Rennsteig. Ich musste also vom Rennsteig in den Ort absteigen und auf der gegenüberliegenden Seite aus dem Tal wieder hinauf. Der wohl steilste Aufstieg meiner gesamten Wanderung. Am nächsten Tag retour (insgesamt 5 Kilometer Zusatzweg). Im Internet hatte ich gelesen, dass die Ruhlaer Wirte die Gäste zum Rennsteig mit dem Auto fahren. Meiner hatte aber Ruhetag, war nicht anwesend (nur Mama deckte den Frühstückstisch für 4 Gäste).

Meine letzte Übernachtung sollte in Windheim, einem Ortsteil von Steinbach am Wald, sein. DieserRennsteig liegt aber 3 Kilometer vom Rennsteig entfernt im Tal und ist auf der Wanderkarte Rennsteig, 1:25.000, ISBN 978-3-89920-305-9 (die ich hiermit ausdrücklich empfehle) nicht einmal enthalten (zu weit weg vom Rennsteig). Die beiden letzten Etappen meiner Wanderung waren je 29 Kilometer lang. Deshalb entschloss ich mich, direkt am Rennsteig in Steinbach am Wald für 20 Euro ein Privatzimmer zu buchen. Beste Qualität, superfreundliche Leute - nur zu empfehlen.

Am Weg habe ich jede Menge Schilder “Zimmer frei” gesehen. Und die Seniorinnen, die ich am letzten Tag der Runst traf, hatten über einen anderen Reiseveranstalter alle Quartiere direkt am Rennsteig vermittelt bekommen.

Die Schlechte Zimmerwahl wird mir die Runst nicht vermiesen. Mit meinem Wissen von heute, würde ich die Route selbst planen und die Quartiere buchen.

Ein letzter Tipp für die Hardcore-Trekker, die in den Schutzhütten übernachten wollen. Es gibt kaum Quellen am Rennsteig und deshalb unter Umständen ein Trinkwasserproblem. Darauf muss man sich einstellen!

Die Runst - Tag 1

Die Runst - Tag 2

Die Runst - Tag 3

Die Runst - Tag 4

Die Runst - Tag 5

Die Runst - Tag 6

Die Runst - Tag 7

admin

Die Runst - Tag 7

Die RunstNun war er also da: der letzte Tag meiner Runst. Noch knapp 30 km von Steinbach am Wald bis Blankenstein. Da mein Zug 16:05 Uhr von Blankenstein abfahren soll, breche ich schon 7:30 Uhr auf. Strahlender Sonnenschein. Es geht zunächst auf der Straße aus Steinbach hinaus. Leider ist der Weg in den Wald auch asphaltiert, was meiner Blase unter der linken Fußsohle (wohl das Ergebnis der langen Straßenwanderung vom Vortag) nicht gut bekommt.

Die erste kurze Rast lege ich nach gut 7 km an der Schutzhütte am Kurfürstenstein ein. Und dann passiert mir etwas, was ich noch am Vortag für ausgeschlossen gehalten hätte. Ich gehe in die falsche Richtung. Beschäftigt mit dem nicht richtig sitzenden Gurt meines Rucksacks registriere ich im Unterbewusstsein, dass ich die Sonne im Rücken habe. Das kann doch eigentlich nicht sein. Ich laufe nach Osten oder Südosten. Die Sonne scheint mir die ganze Zeit teils sogar recht unangenehm ins Gesicht. Nach kurzer Zeit macht der Weg eine scharfe Linkskurve. Ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass der Rennsteig hier tatsächlich eine kurze alternative Wegführung besitzt und die Schutzhütte offensichtlich nicht an der richtigen Stelle eingezeichnet wurde. Ich muss noch einmal zu meinem Rastplatz zurück und bin einen Kilometer im Kreis gelaufen. Gut, was sind schon 1000 Meter? Zeit hatte ich genügend als Reserve eingeplant. Ab diesem Moment schaue ich aber immer aufmerksam auf jeden Wegweiser und in größeren Abständen auf meine Wanderkarte, die ich sonst nur am Abend für die Blog-Berichte rausholte.

Es geht durch den kleinen Ort Brennersgrün, wieder in den Wald, an Grumbach vorbei und schließlich nach Rodacherbrunn. Am Weg liegt ein kleines Wirtshaus. Zeit für einen Kaffee. Ich treffe zum ersten Mal einen „Runstler“ mit Hund. Er geht kurz nach meiner Ankunft im Wirtshaus wieder los. Ich werde ihn noch mehrfach treffen. Meine Mittagsrast lege ich in der Schutzhütte am Kulmberg ein. Von hier sind es noch genau 10 km bis Blankenstein. Eine Gruppe Seniorinnen kommt wenige Minuten nach mir aus Richtung Blankenstein an. Sie haben ihre Runst gerade begonnen, organisiert mit Gepäcktransport. Von ihnen erfahre ich, dass das Hubertushaus oberhalb Ruhlas (direkt am Rennsteig) wieder geöffnet hat und man nicht nach Ruhla zur Übernachtung absteigen muss. Ich hatte dies ja schon vermutet (siehe Runst – Tag 2). Wir wünschen uns viel Glück für den weiteren Weg. Meiner ist ja nur noch kurz.

Es geht für mich durch den kleinen Ort Schlegel und nach der „Ausspanne Wegspinne“ in das Örtchen Kießling. Hier ist gerade Dorffest, aber alle sind wohl noch beim Mittagsschlaf. Nichts los. Vor dem Ort hatte ich den ersten Blick auf Blankenstein. Nach Kießling geht es nun endgültig bergab meinem Ziel entgegen. Leider verläuft der Rennsteig auf den letzten Kilometern wieder entlang der Fahrstraße.

runst7-2.jpg runst7-3.jpg runst7-1.jpg
14:45 erreiche ich Blankenstein, gehe zur Selbitzbrücke und lasse mich von einem netten älteren Herren fotografieren, wie ich meinen vom Werraufer mitgebrachten Stein in die Selbitz werfe. Die Runst ist damit beendet.
Bleibt noch die lange Rückfahrt mit dem Zug von Blankenstein nach Dresden. In Kurzform. Fahrzeit gesamt: 5 Stunden – 19 Minuten Umsteigezeit in Leipzig. Ob das funktioniert? Abfahrt pünktlich. Nach 30 Minuten Fahrzeit 10 Minuten Verspätung. Nach Saalfeld 15 Minuten Verspätung, in Leipzig nur noch 11! Umsteigen geschafft. Ankunft in Dresden Neustadt pünktlich 21:07 Uhr, zu Hause ca. 21.40 Uhr.

Ein Fazit gibt es in einem extra Blogeintrag sonst wird dieser hier zu lang.

Die Runst - Tag 1

Die Runst - Tag 2

Die Runst - Tag 3

Die Runst - Tag 4

Die Runst - Tag 5

Die Runst - Tag 6

- Nächste Einträge »